Wissenschaftlicher Hintergrund

Published by projectteam on Sonntag, Januar 8, 2012

Heranwachsende in der Adoleszenz zeigen eine besondere Affinität gegenüber Medien im Allgemeinen und Videospielen im Besonderen. Allerdings hat sich die handlungsorientierte Medienpädagogik dem Thema der digitalen Spiele bisher nur in einem sehr bescheidenen Ausmaß gewidmet. Es liegen kaum modellhafte Konzepte und Praxisbeispiele vor, die als wegweisend für einen aktiven, verantwortungsbewussten, kreativen und reflexiven Umgang der Heranwachsenden mit Videospielen angesehen werden können.
Das Projekt “MyVideoGame” will erproben, wie in einem pädagogischen Setting (hier Schule) ein handlungsorientierter Zugang zu digitalen Spielen umgesetzt werden kann. Dabei wird ein besonders weitgehender Ansatz verfolgt, denn es werden nicht bereits “fertige” Spiele medienpädagogisch in den Blick genommen. Vielmehr wird Schüler/innen im Wahlpflichtfach “Moderne Medienwelten” die Möglichkeit geboten, mit entsprechender Unterstützung ein eigenes Spiel zu produzieren. Projektpartner ist die Integrierte Gesamtschule Willy Bandt in Magdeburg.

Das Praxisprojekt wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert, die wissenschaftliche Projektleitung obgliegt Prof. Dr. Johannes Fromme, Leiter des Lehrstuhl für Medien- und Erwachsenenbildung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.
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Die operative Projektleitung liegt bei Marten Fütterer und Kristina Jonas, die im Oktober 2011 den Masterstudiengang Medienbildung erfolgreich abgeschlossen haben und über Erfahrungen im Digital Game Design verfügen. Das Projekt knüpft einerseits an Überlegungen an, die international unter dem Stichwort “design-based research” diskutiert werden, und greift andererseits konstruktionistische Ansätze in der Tradition von Seymour Papert (MIT) auf.


Authoring Tool Analyse und Bildungspotentiale in GameDesign Praxisprojekten unter Betrachtung der 11 Media-Literacy-Skills nach Jenkins

Milestones im Gamedesign

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Quelle: Erweiterte Abbildung nach Jonas/ Fütterer(2012): Digital Game Development als konstruktionistische Methode und Ansätze zur Implementierung in einem formellen Lern- und Bildungssetting. Stuttgart: Ibidem Verlag (in Vorbereitung)

1. Idee
Wie die Abbildung zeigt, steht die Ausarbeitung einer konkreten Idee am Beginn des Prozesses. Sie beinhaltet das Spielthema, erste Vorstellungen von der Spielwelt und vom Spielziel.

2. Concept Draft
Im darauffolgenden Concept Draft werden die Beschreibungen der groben Spielmechanismen, des Spielziels und der Steuerung etwas verfeinert. Weiterhin werden die ersten visuellen Skizzen für die wichtigsten Objekte, Charaktere, GUI und das Spielfeld bzw. die Spielwelt (meist von Hand) gezeichnet.

A. First Playable
Das Concept Draft dient als Vorlage zur Erstellung eines ersten Prototypen, der so genannten First Playable. Es ist wichtig möglichst früh in die Produktion einzusteigen, da die Erfahrungen, die in der Spielerrolle gemacht werden, auch von den erfahrensten Spielentwicklern nur selten vorherzusehen sind. Der interne Ablauf einer jeden Spielversion (orange Punkte) ist selbst iterativ.

Dabei steht die Erstellung eines Prototyps an erster Stelle, welcher dann getestet (im Sinne von „gespielt“) wird und die so gemachten Erfahrungen schließlich bewertet werden. Auf Grundlage dieser Einschätzungen werden Anpassungen vorgenommen. Der neue Prototyp wird wiederum getestet, die Erfahrungen bewertet und eventuell wieder Justierungen vorgenommen. Dieser zyklische Prozess endet in jeder Umsetzungsphase erst dann, wenn das Konzept und Projektmanagementteam keine kritischen Beanstandungen mehr hat. Die vorgenommenen Veränderungen, Entscheidungen und die Erfahrungen werden schriftlich fixiert und in die nächste Konzeptphase integriert.

3. Feinkonzept
So finden sich die Entscheidungen, die beim Testen der First Playable getroffen wurden, im Feinkonzept wieder. Dieses beinhaltet dann die ausdifferenzierten Beschreibungen der Regeln, des Ablaufs, des Spielbeginns, des Fortschritts, des Ziels, der Steuerung und auch die Festlegungen der Stilrichtung des visuellen Erscheinungsbildes sowie der auditiven Elemente und der benötigten Sprachelemente.

B. Alpha
Auf Basis des Feinkonzepts wird typischerweise wiederum eine spielbare Version, die so bezeichnete Alpha erstellt. In der Alpha sind für gewöhnlich alle Spielmechanismen bereits integriert. Diese müssen noch nicht fehlerfrei sein und auch die Verwendung von Platzhaltern für grafische, akustische und sprachliche Elemente ist legitim. Beim Testen der Alpha steht vor allem das Spielgefühl und die Konsistenz im Zentrum der Aufmerksamkeit. Es wird wiederum der iterative Prozess durchlaufen, der in der First Playable bereits Anwendung fand.

4. GameDesignDoc
Die Ergebnisse, Anpassungen und Entscheidungen, die daraufhin zu Tage treten, werden im GameDesignDoc (auch GameDesignDocument oder kurz GDD) festgehalten. Dieses Dokument beschreibt detailliert alle möglichen Fälle zu jeder möglichen Zeit, die im späteren Spiel auftreten können. Es ist gewissermaßen ein vollständiges Drehbuch, welches alle Eventualitäten abdeckt und genaue Festlegungen über notwendige Grafiken, Soundeffekte, Musiken, Texte, Sprach-ausgaben, etc. trifft. Das GameDesignDoc ist somit das konzeptionelle Herzstück im Game Development Prozess und dient als detaillierte Anleitung für die weitere Arbeit aller beteiligten Bereiche und Personen.

C. Beta - Golden Master
Die Beta-Version wird auf Basis dieses GameDesignDoc erstellt. Sie enthält alle notwendigen Einzelelemente (Regeln, visuelle Elemente, auditive Elemente, sprachliche Elemente) und ist voll funktionsfähig. Im weiteren iterativen Verlauf werden Fehler beseitigt, kleinere Elemente verändert und das Balancing vorgenommen. Durch dieses zyklische Vorgehen wird das Spiel immer weiter verbessert bis schließlich eine Version vorliegt, die keinerlei Fehler mehr enthalten sollte und die in den Augen der Programmierer (Umsetzer) nicht mehr verbessert werden kann oder soll. Diese finale Version wird als Golden Master bezeichnet und schließt den Game Development Prozess ab.

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Quelle: Jonas/ Fütterer(2012): Digital Game Development als konstruktionistische Methode und Ansätze zur Implementierung in einem formellen Lern- und Bildungssetting. Stuttgart: Ibidem Verlag (in Vorbereitung)


Finanzierung

Das Projekt “MyVideoGame” wird gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung.


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Die Softwarelizenzen für articy:draft wurden uns freundlicherweise von Nevigo zur Verfügung gestellt:
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